von Hans Berger

«Nervös? Ach was, das Adrenalin wird jetzt freigesetzt – Flucht oder Angriff! Angriff natürlich.» Mischa Meyer dirigiert keine Truppen an der Front, sondern die Kaiseraugster Musikgesellschaft auf der Bühne der Mehrzweckhalle. Da der Maestro aber erst seit drei Monaten die musikalischen Geschicke des Vereins leitet, könnte er kurz vor dem Konzert am letzten Samstag solche Gedanken gehabt haben.

Unter dem Motto „Eusi Muusig Chaiseraugscht“ präsentierte sich die Musikgesellschaft bei ihrem Jahreskonzert in der ausverkauften Halle in hervorragender Spiellaune. Das Programm hatte es in sich, Blasmusik mit vielen Facetten und glanzvollen Höhepunkten. Der Melodienreigen erwies sich nicht nur als abwechslungsreich und hörenswert, sondern war auch voller Überraschungen, zudem anspruchsvoll. Kurzum: vom ersten bis zum letzten Ton bekamen die Zuhörer erstklassige Unterhaltung geboten.

Auch zwischen den Musikstücken war ausgezeichnete Unterhaltung angesagt. CHAIpirinhas, die Newcomer der letzten Fasnacht führten humorvoll durch das Programm. Während Martina Grieder geistreich und informativ als Moderatorin fungierte, versuchten sich ihre drei Kolleginnen Claudia Künzli, Kathi Hossli und Nadja Budinger als Nummerngirl, jedoch zum Leidwesen der Ansagerin aber zum Gaudi des Publikums immer im unpassendsten Outfit.

Triumphaler Auftakt mit Pauken Trommeln und Trompeten

Ein Paradestück für die Perkussionsgruppe. Souverän baut der Dirigent Mischa Meyer die Dynamik des ersten Stückes „Entrée“ auf. Die Klangbalance war perfekt und die Musikerinnen und Musiker erstklassig. Also, mehr geht nicht. Bravo! Jetzt hatte das Publikum das Wort, gemessen an der Phonzahl des Applauses vergab es dem Orchester verdientermassen die Maximalpunktzahl, wie übrigens noch mehrmals am Abend.

Nach der Auftaktmelodie ging es ebenso fulminant mit „Cossack Ride and Slavonic Dance“ weiter. Vor dem geistigen Auge sah man dabei förmlich, wie Kosaken durch die Steppe reiten und am Lagerfeuer mit einer Flasche Wodka in der Hand einen wilden Kasatschock tanzen. Butterweich folgte dann „Chi May“, welches in seiner Intensität stark an den Welthit des gleichnamigen Films „Spiel mir das Lied von Tod“ erinnert. Kein Wunder, beide Kompositionen entstammen der Feder von Ennio Morricone.

Ein musikalisches Highlight war dann „Cervo a Primavera“. Ein spektakuläres Arrangement der gleichnamigen Nummer des italienischen Sängers Riccardo Cocciante. Eine Komposition voller Emotionen bei der man den Eindruck hatte, als ob sich die einzelnen Register konkurrenzierten und um Sieg oder Niederlage wetteiferten. Schlichtweg grandios. Nicht minder anspruchsvoll folgte „Glasnost“. Die Musikanten verstanden es ausgezeichnet, den russischen Seelenmix von Übermut und gleichzeitiger Schwermut musikalisch nachzuvollziehen.

Wie bereits vor dem Konzert fand in der Pause die Küche des Partyservice Brüderlin wieder regen Zuspruch und eine reichhaltige Tombola animierte das gut gelaunte Publikum zum Loskauf.

Herausfordernde Arrangements

Den zweiten Teil des Konzerts eröffnete die Musikgesellschaft mit „Summon Heroes“ von John Williams. Wie viele der vorangegangenen und noch folgenden Darbietungen sehr rhythmisch, zackig und gleichzeitig harmonisch gespielt. Hiernach wurde die Hornformation mit „Robin Hood“ gefordert, war aber im Spiel genauso erfolgreich wie der Freiheitskämpfer vom Sherwood Forest. Weich, einfühlsam, wehmütig huldigten die Musikanten mit „A Song for Léa“ den Frauen gleichen Namens. Beatig, rockig wurde das Konzert mit „Spirit of 69“ und „Rockin Oberland“ fortgesetzt. Die Marschfreunde kamen zu guter Letzt mit dem „Bundesrat-Gnägi-Marsch“ auch noch auf ihre Kosten.

Wie nach jedem Stück spendete die Zuhörerschaft wiederum frenetischen Beifall. Ein anspruchsvolles Programm, geprägt von modernen Arrangements hatte die Blasmusikfreunde begeistert. Kein Wunder, dass das Publikum die Musikerinnen und Musiker erst nach drei Zugaben von der Bühne entliess.

Neben der Musik gab es auch Ehrungen

Brigitte Schmid Schüpbach, Präsidentin der MG Kaiseraugst, bedankte sich im Namen aller Musikanten beim Dirigenten Mischa Meyer für sein grosses Engagement und gab ihre Hoffnung Ausdruck, dass er noch lange den Takt angibt. Lobende Worte fand sie auch für die Moderatorin und ihre „schrägen“ Nummerngirls und für das von Roger Oechslin gestaltete Bühnenbild.

Für 60 Jahre aktives Musizieren ehrte die Präsidentin Meinrad Schmid-Tremel und für 50 Jahre dessen Bruder Niklaus Schmid. (Beide waren die ersten Musiklehrer des Schreibenden, an dieser Stelle nochmals besten Dank). Als Liebhaber von Süssigkeiten überreichte sie den beiden „süssen“ Schmids anstelle von Wein je eine Torte und dann erst noch mit Sahne. Mit tosendem Applaus würdigte auch das Publikum die Jubilare.