MG Kaiseraugst musizierte mit Volldampf

von Hans Berger

Bezugnehmend auf den Slogan “MG Kaiseraugst mit Volldampf ins 2011” fragten sich die Besucherinnen und Besucher am Schluss des Jahreskonzertes vom 16. April etwas besorgt, wieviel Bar der musikalische Druckkessel im Laufe des Jahres denn noch ertragen kann, wenn die Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Mischa T. Meyer schon im April so unter Volldampf stehen? Obwohl es sich das begeisterte Publikum in der voll besetzten Merzweckhalle kaum vorstellen konnte, meinte Druckmeister Meyer zuversichtlich, dass noch genügend Kapazität zur Steigerung vorhanden sei.

Für all Jene, welche den Kopf auf der Vorderseite des Programmflyers Phil Collins zuordneten, war die popige Stilrichtung des Jahreskonzerts der MG Kaiseraugst zum Vornherein klar. Das Orchester begab sich jedoch vorerst fröhlich beschwingt mit “On the Road” auf den Höhenweg. Der Schlager von Freddy Breck “Du bist die Schönste der Welt für mich, Bianca”, war die eine Melodie, welche aus dem “Symphonic Portrait” von Peter I. Tschaikowsky, herauszuhören war, mit dessen Interpretation das Orchester einen ersten Höhezug erklomm.
So richtig Volldampf gaben die Musikantinnen und Musikanten dann aber mit der “Capricorn Suite”, in der die Band eindrucksvoll, unter die Haut gehend das Leben der Steinböcke, deren Ausrottung im 18. und 19. Jahrhundert und Wiederansiedlung um 1920 schilderte. Ein Stück, in dem das Orchester Freud, Leid und Qualen der Steinböcke einfühlsam nachzuspielen verstand.

Nach soviel musikalisch grandios vorgetragener, die Seele berührender Tragik, mit der die MG Kaiseraugst am eidgenössischen Musikfest in St. Gallen punkten will, war die Moderation der CHAIpirinhas eine wahre Auflockerung.
Die vier Damen haben ihren Ursprung in der Kaiseraugster Fasnachtsszene und brillieren dort mit bunten, frivolen Kostümen und guten Schnitzelbänken. Während ihrer informativen und unterhaltenden Moderation am Jahreskonzert stellten sie die vier bisherigen Uniformen der MG Kaiseraugst vor und machten darauf aufmerksam, dass es für die Musikerinnen und Musiker nach 17 Jahren an der Zeit wäre, sich wieder neu einzukleiden. Allerdings trafen sie mit ihrem Uniform-Vorschlag, der sich fest an ihr Fasnachtskostüm anlehnte, wohl nicht ganz den Geschmack des Vereins…

Hallo, wie geht’s?

Mitten ins Herz hingegen gingen die Amor-Pfeile, die der Flügelhhorn-Solist Guido Oechslin mit „Camille“ verschoss. Bei dem internationalen Musikprogramm versteht es sich fast von alleine, dass sich die inzwischen mit Jungmusikern verstärkte Band nicht auf Deutsch nach dem Wohlbefinden der Gäste erkundigte, sondern mit dem Santana Stück “Oye como va”. Dem temperamentvollen Applaus war zu entnehmen, das Publikum war prächtig drauf. Es ist bekannt, Robbie Williams ist alles andere wie ein Engel, ein Titel, den wohl auch die Dorfmusik nicht für sich beanspruchen darf, auch wenn sie Robbies “Angels” engelhaft spielte.

Funkig, beatig, rockig

Wieder in den irdischen Gefilden eröffnete das Orchester den zweiten Teil stramm, zackig und lüpfig mit dem Marsch “Marignano”, der aber in keinster Weise an das Gemetzel von 1515 in der italienischen Lobardei erinnerte. Ein satter Bass, verzerrte Gitarre, das Schlagzeug groovig jingelnd, kurzum – funkig, beatig, rockig und absolut mitreissend vermochte die Band mit Michael Jacksons “Beat it” zu begeistern.
Nicht weniger einzigartig war der Sound, den die Musikerinnen und Musiker mit “A Tribut to Lionel” an den Tag legten. Zollte damit die Band Lionel Hampton ihren Tribut, so machte dies hernach das Publikum der MG Kaiseraugst und insbesondere deren begnadetem Vibraphonisten Jean-Claude Forestier gegenüber mit einem euphorischen Beifallssturm.

Hommagen

“Ja, das sind sie wirklich”, dachten wohl alle im Saal, als in “Symphonic Rock” der Superhit der Queens “We are the champions” erklang und einige erinnerten sich danach bei “Stayin’ Alive” bestimmt an ihre Disco-Zeit. Im vorerst letzten Stück erwies die MG Kaiseraugst mit einem Medley Phil Collins die Ehre. Eine weitere Hommage machte die Band als erste Zugabe Brian Adams und kehrte zum Abschluss des triumphalen Konzerts mit dem Ravanello-Marsch zu ihrem musikalischen Ursprungsstil zurück.