MG Kaiseraugst von königlich bis kaiserlich plus

von Hans Berger

Obwohl die MG Kaiseraugst gemäss Flyer ihr diesjähriges Jahreskonzert bereits auf den 21. April des letzten Jahres terminiert hatte, war am vergangenen Samstag die Mehrzweckhalle im Dorf proppevolle, als die Musikantinnen und Musikanten unter der Leitung von Mischa T. Meyer das gut gelaunte Publikum mit „A Salute from Lucerne“ willkommen hiess.

Den Druckfehler haben aber vermutlich die wenigsten bemerkt, wie dem Raunen zu entnehmen war, als der mit viel Witz durch das Programm führende Moderator Guido F. Oechslin die Konzertbesucher auf den Fauxpas aufmerksam machte. So konnte dann ebenfalls angenommen werden, dass auch der Ami-Schlitten eher versehentlich auf den Flyer kam, da weder einer der elf Musiktitel, noch das von Roger Oechslin gestaltete Bühnenbild einen Bezug dazu hatte.

Königlich

Kenneth J. Alford sei der König unter den Marschkomponisten, verriet Moderator Guido F. Oechslin, der nur aus Gründen der Gleichstellung mit dem Dirigenten auf das F. in seinem Namenszug pochte. War das F. als Jux gedacht, so hatte der moderierende Malermeister aber mit der Einstufung des Komponisten zweifelsfrei recht. Der Musikgesellschaft musste alsdann zugestanden werden, dass sie „On the Quarter Deck“ königlich spielte, was das Publikum mit entsprechendem Applaus zu würdigen wusste.

Kaiserlich

Hochmut ist sicherlich nicht Sache der Kaiseraugster Musikantinnen und Musikanten, „wir haben’s gerne gemütlich“, wie Präsidentin Brigitte Schmid Schüpbach in ihrer Ansprache gestand. Musikalisch jedoch begnügt sich die Dorfmusik nicht mit dem „Königlichen“. Klaro, so wie das Wort Kaiser ein Teil des Namens ist, muss auch ein Teil des Programms kaiserlich sein. Diesem Anspruch wurde das Orchester mit „Imagasy“ gerecht, mit dem es am Kantonalen Musiktag vom 15. bis 17 Juni in Wölflinswil sicherlich viele Punkte horten kann. Gäbe es eine Steigerungsmöglichkeit vom Wort kaiserlich, so würde dieses die Qualität des Vortrags „W. Nuss vo Bümpliz“, mit dessen Arrangement die MG gar das Original zu toppen vermochten, treffend umschreiben.

Aufklärung

Bevor aber das begeisterte Publikum mit der fantastischen „W. Nuss“ Bekanntschaft machen durfte, erfuhr es vom Moderator, dass der Ami-Schlitten auf dem Flyer durchaus seine Berechtigung habe, da er das fünfteilige Stück „Cars“ symbolisiere, in dem die Kult-Autos Ford Jg. 1921, VW Jg. 1949, Chevrolet Jg. 1952, MG Jg.1963 und Ferrari Jg. 2000 musikalisch vorgestellt werden. Womit sich das anspruchsvolle Programm mit einem Schlag von elf auf sechzehn Stücke erhöhte.

Rockig und Popig

Es gehört zu den einschneidenden, positiven Erlebnissen aller Jungmusikanten, wenn sie nach jahrelangem, oft nicht ganz freiwilligem Ueben zum ersten Mal mit den Grossen öffentlich auftreten dürfen. So werden sich in einigen Jahren bestimmt auch jene junge Musikerinnen und Musiker mit Freude an den 21. April 2012 erinnern, als sie in Harmonie mit der Harmonie fetzig rockig Freddy Mercuris „Crazy little thing Called Love“ und andächtig Phil Collins „You’ll be in my Heart“ spielten.

Hommage

So enthusiastisch wie am Schluss das Olé, so feurig eröffnete die Dorfmusik den zweiten Teil ihres Konzertes mit „Mexico“, um ihm danach mit „Backdraft“ einen weiteren glanzvollen Tupfer aufzusetzen. Als ehemalige Untertanen des Habsburgerreiches vermochten die Kaiseraugster Musikerinnen und Musiker ihr kaiserliches Niveau selbstverständlich auch beim Stück „Highlights from Elisabeth“ zu halten. Nach der ergreifenden Hommage an Sissi bekamen die Besucher den Mambo „Cuentame“ zu hören, bevor das Konzert mit „Hotel California“ sein vorläufiges Ende fand.

Die MG Kaiseraugst durfte die Bühne allerdings erst nach drei, vom Publikum mit enthusiastischem Applaus geforderten Zugaben verlassen.