von Hans Berger

MG Kaiseraugst jubiliert und wird bejubelt Eigentlich ist es Usus, dass in musikalischer Hinsicht im ersten Teil der Jahreskonzerte der Musikvereine sowohl die Musikantinnen und Musikanten wie ebenso das Auditorium gefordert sind und in der zweiten Etappe durch einfacher „gestrickte“ Kompositionen sich zumindest das Publikum bequem zurücklehnen kann. Nicht so vergangenen Samstag beim Jubiläumskonzert der Musikgesellschaft Kaiseraugst unter der Leitung von Misch T. Meier, welche anlässlich ihres 150. Geburtstages in Kooperation mit dem Theaterverein vom 9.bis 13. September das Musical „Zustände wie im alten Rom“ innerhalb der römischen Kastellmauern zur Aufführung bringen wird. Ein Vorhaben, das sich auch im Eröffnungsstück „Fanfare for a Friend“ niederschlug. Da zu Zeiten des römischen Imperiums Latein oder allenfalls Griechisch die Sprachen für die internationale Verständigung waren, hätten die alten Römer mit dem Titel wohl kaum was anfangen können, mit den Fanfarenklängen hätten sie sich jedoch sofort identifiziert. Spanisch wie römisch Obwohl Rossinis Barbier im spanischen Sevilla zuhause, der Komponist jedoch ein waschechter Italiener ist, schwelgten beim „Il Barbiere die Siviglia“ wohl alle, die das Vergnügen schon hatten, in der Arena von Verona einer Oper beizuwohnen, in der Erinnerung an ein grandioses Musikerlebnis, womit die Musikgesellschaft den zweiten Bezug zum Jubiläumsevent schaffte. Wer unter dem Publikum nun aber meinte, dies sei das musikalische Highlight des Jahreskonzertes gewesen, wurde rund zwei Stunden später eines Besseren belehrt… Traditionsbruch Zuvor aber kündigte die informativ und humorvoll durchs Programm führende Moderatorin Cornelia Cö Meier brasilianische Rhythmen an, womit die Dorfmusik dann die eingangs erwähnte Tradition brach und den Sprung in eine musikalisch mal spritzige, mal traurige, mal fröhliche, mal melancholische, mal beschwingte, aber immer rhythmusbetonte Welt machte. Kaum ein Fuss  im Orchester, der im Takt nicht mit wippte, was letztlich auch ein Zeichen dafür ist, dass die Musikerinnen und Musiker nebst Notenkenntnis auch noch den Rhythmus im Blut haben, was keineswegs selbstverständlich ist. Leise Stimme Als Solist zu brillieren vermochte Benedikt Obrist auf der Tuba, was am Schluss des spanischen Stückes seitens des Orchesters mit einem kräftigen Olé unterstrichen und vom Publikum mit einem noch kräftigeren Beifall quittiert wurde. Deshalb musikalisch zu resümieren „Wir sind die Meister“ scheint dann doch etwas gewagt, auch wenn das 35-köpfige Corps mit zwei Jungmusikanten verstärkt wird. Vermutlich aber hat Freddie Mercury der Dorfmusik für die Interpretation seines Welthits den selben frenetischen Applaus gespendet wie das Publikum. Einzelne Besucher glaubten gar, aus weiter Ferne den Satz „Yes, you are the Champions“ vernommen zu haben. Was wiederum die Bläserinnen und Bläser so beglückte, dass sie den ersten Teil ihres Jubiläumskonzertes mit Pharrell Williams` fröhlichem „Happy“ beendeten. Salto Mortale Bevor der jubilierende Gastgeber in die zweite Runde stieg, überbrachte Adolf Herzog die Glückwünsche des Aargauischen Musikverbandes, übergab Peter Schmid, Präsident der MG Kaiseraugst neben einem „Couvert“ auch eine Urkunde und dankte der Bevölkerung für die Unterstützung der Dorfmusik. Selbige unterstrich mit dem schmissigen Marsch „Second Century“, dass sie auch im „zweiten Jahrhundert“ ihres Bestehens gut unterwegs ist. Klar, die Stimme von Joe Cocker ist so einzigartig, dass sie weder stimmlich und noch weniger instrumental nachgemacht werden kann. Die Intensität seiner Balladen und Rock-Songs allerdings schon, wie die MG Kaiseraugst mit einem Medley der am 22. Dezember 2014 im Alter von siebzig Jahren verstorbenen Rocklegende bewies und mit dessen ansonsten unnachahmlichem „With A Little Help From My Friends“ jedes richtige Rockerherz in der Mehrzweckhalle zum x-fachen Salto Mortale brachte. Auf und davon Wenn schon in der Luft, dann richtig, dachten vermutlich die Programmgestalter des Jahreskonzerts, luden das Publikum kurzerhand zu einer „Sternenreise“ (Star Trek) ein und düsten mit ihm durchs Weltall des 23. Jahrhunderts. Verständlich, dass nach der irdischen Landung der Enterprise die erhaschten Eindrücke von anderen Welten, in denen weder Kapitalismus, noch Geldfunktionen existieren sowie soziale Ungleichheit, Rassismus, Intoleranz, Armut und Krieg überwunden sind, in einem geistigen Festival (Festival Spirit) gemeinsam verarbeitet werden mussten. Phänomenal Inmitten eines Super-Gaus, so, als ob die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima am selben Tag stattgefunden hätten, fühlte sich das Publikum bei „Nuclear Power“. Die musikalische Schilderung vom schleichenden Tod und die verzweifelte Hoffnung der Betroffenen, raubten sensiblen Zuhörern den Atem und liessen beinah deren Blut in den Adern stocken. Schlichtweg phänomenal, was sich der österreichische Komponist Otto M. Schwarz erdacht hat und schlichtweg grandios, wie die Musikgesellschaft Kaiseraugst den Mix zwischen spannungsgeladener Dramatik und vertrauensvollem Zukunftsglauben darbrachte. Zückerchen Mit der schönen Melodie von „Celtic Crest“ wurde das begeisterte Publikum vom schrecklichen Alptraum erlöst und abschliessend für seinen enthusiastischen Applaus mit drei Zugaben belohnt. Eine davon war eine kurze Sequenz, quasi ein Zückerchen aus dem Musical „Zustände wie im alten Rom“.