von Hans Berger

MG Kaiseraugst bot „Grosses Kino für die Ohren“

http://www.fricktal24.ch/Kaiseraugst.kaiseraugst.0.html

Unter dem Dirigat von Mischa T. Meyer und dem Motto „Helden“ demonstrierten vergangenen Samstag anlässlich ihres Jahreskonzertes die 36 Musikerinnen und Musiker der Musikgesellschaft Kaiseraugst die gewaltige Spannbreite konzertanter Blasmusik derart eindrücklich, dass sie gar die Helden der ihnen gewidmeten Kompositionen entthronten und vom Publikum als die eigentlichen Helden gefeiert wurden.

Obwohl noch blutjung, vermögen die Mitglieder der Wind-Band, das Bläserensemble der Musikschule Rheinfelden unter der Leitung von Ed Cervenka, welche das Frühlingskonzert eröffneten, manch gestandener Dorfmusik bereits das Wasser zu gereichen. So hätten sie vermutlich mit dem nicht zu den einfachen Rhythmen zählenden Mambo wie desgleichen mit „Celtic Air and March“ selbst Kubaner, respektive Irländer begeistern können. Einen nicht geringeren Applaus wie vom Publikum hätten die Jungmusikanten für ihre „The blues Brothers Revue“ gewiss auch von den beiden Brüdern Jake und Elwood Blues erhalten.

Von null auf hundert

Nachdem sich das locker, informativ und humorvoll durchs Programm führende Moderatorenduo Cornelia Meier und Benjamin Bürgi darauf geeinigt hatte, was einen Helden ausmacht, startete die MG Kaiseraugst mit dem furiosen „Take off“ durch, als sässen sie selber im Flugzeug. Zu den Helden des Abends gehörte „Pinocchio“, dessen Eigenheiten, Abenteuer, Versuchungen, Irrungen und Wirrungen das Orchester packend umschrieb. Selbstverständlich durften in der Runde der illustren Helden d’Artagnan und seine drei Musketiere nicht fehlen, deren flatterhafte Art, wilde Verfolgungen hoch zu Ross und hitzigen Degengefechte die Musikanten zu visualisieren vermochten.

Verstärkung Mit von der Partie waren auch die Superhelden von „The Incredibles“ (die Unglaublichen), der bis anhin erfolgreichsten Computer-Animationsfilme. Wohl weil sie in ihrem Song „All about that Bass“ den Molligen Mut macht, zu ihren Massen zu stehen (Kurven sind besser als Magersucht), spielte die Dorfmusik wie bereits zuvor verstärkt mit sieben Musikern der Wind-Band den Megahit von Meghan Trainor.

Gunst der Stunde Weil der Dirigent Mischa T. Meyer sich nach der Pause in der Bar angeblich noch einen genehmigte, nutzte der Perkussionsheld Christian Rütschlin die Gunst der Stunde und legte ein hammerhaftes, das Publikum betörendes Schlagzeugsolo hin. Punktgenau auf den letzten Schlag erschien dann der Maestro auf der Bühne, um das Orchester durch den zweiten Teil von „Skip the Intro“ zu führen.

Auf hoher See Seefahrer, Schiffbruch, einsame Insel, Freundschaft, Kannibalismus, dies alles kann eigentlich nur auf einen Helden zutreffen… – richtig – „Robinson Crusoe“, dessen Glücksgefühle und Ängste die Kaiseraugster Musikantinnen und Musikanten nachhaltig schilderten wie desgleichen „Conquest of Paradise“ (die Eroberung des Paradieses) durch Chrisopher Columbus.

Dramatik vorgestern und gestern Das musikalische Highlight des Jahreskonzertes war die fesselnde, an Dramatik kaum zu übertreffende, die Musikerinnen und Musiker herausfordernde „Gladiator Symphonic Suite for Wind Orchestra“. Mit eingängigen, bekannten Melodien erinnerte die Musikgesellschaft Kaiseraugst danach an das wohl grösste Rüstungsdesaster, als die USA in den 1980er- / 1990er-Jahren rund 120 Milliarden Dollar für eines der ambitioniertesten Rüstungsprogramme der Geschichte ausgaben – um es schliesslich abzubrechen. Kritiker bezeichneten die strategische Verteidigungsinitiative (SDI) als „Star Wars“. Tatsächlich erinnert das einstige Vorhaben an Science Fiction.

Finale Die Dorfmusik wäre an diesem Abend nicht die Dorfmusik gewesen, wenn Henry Fillmores Marsch „His Honor“ ein 0815-Marsch wäre, die Musikanten jedenfalls mussten dabei heftig aufs „Gaspedal“ treten. Wie bei allen vorangegangenen Darbietungen quittierte das begeisterte Publikum die „rasante Fahrt“ mit einem frenetischen, Zugabe fordernden Applaus.

Die Musikgesellschaft Kaiseraugst liess sich diesbezüglich nicht lumpen, erweckte zuerst die Muppets aus ihrem Tiefschlaf und ehrte mit dem „Meinrad Schmid-Marsch“ seinen charismatischen, umsichtigen, ehemaligen Dirigenten und Kaiseraugster Gemeindeammann.